Am Sonntag, 27. September, haben die Schweizer Stimmberechtigten die sogenannte Neutralitätsinitiative abgelehnt. Gemäss dem Schlussresultat des Bundesamts für Statistik stimmten 70,2 Prozent Nein. In keinem einzigen Kanton fand die Vorlage eine Mehrheit.

Worum es ging

Die Initiative aus dem Umfeld der SVP und des Vereins Pro Schweiz verlangte, eine «immerwährende bewaffnete Neutralität» in der Bundesverfassung festzuschreiben. Bei einem Ja hätte die Schweiz keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis beitreten dürfen, und ihr Spielraum für Sanktionen gegen andere Staaten wäre deutlich eingeschränkt worden.

Für Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz war vor allem der Punkt zu den Sanktionen spürbar: Die Schweizer Sanktionen gegen Russland wurden in Übernahme der EU-Sanktionen erlassen.

Die Resultate in Zahlen

  • 70,2 Prozent Nein schweizweit;
  • kein einziger Kanton sagte Ja;
  • am deutlichsten abgelehnt in der Stadt Bern: 88,9 Prozent Nein;
  • am knappsten im Tessin, wo nur 52 Prozent Nein stimmten;
  • die Stimmbeteiligung lag gemäss Hochrechnung von gfs.bern bei rund 47 Prozent.

Noch im August hatten einzelne Umfragen eine Mehrheit für die Initiative gezeigt. Je näher der Abstimmungstermin rückte, desto mehr legten die Gegner zu.

Wer wie viel ausgegeben hat

Gemäss Daten der Eidgenössischen Finanzkontrolle investierten die Befürworter rund 3,84 Millionen Franken in die Kampagne, über 2 Millionen davon stammten von Christoph Blocher. Die Gegner legten rund 1,67 Millionen offen; grösster Geldgeber war der Wirtschaftsdachverband economiesuisse.

Einflussnahme von aussen

Laut swissinfo.ch stellten die Schweizer Behörden vor der Abstimmung verdeckte Einflussoperationen fest, zudem mischten sich russische Akteure auch offen ein. Das Parlament fordert Massnahmen gegen ausländische Einflussnahme auf die Schweizer Demokratie.

Reaktionen

Aussenminister Ignazio Cassis betonte nach der Abstimmung, die Schweiz sei neutral gewesen, sei es und bleibe es. Das Resultat bedeutet, dass die Schweiz an einer flexiblen Auslegung der Neutralität festhält – nicht, dass sie auf sie verzichtet.

Pro-Schweiz-Präsident Stephan Rietiker anerkannte die Niederlage, hält die Debatte aber nicht für beendet: Das Volk habe gesagt, was es nicht wolle, aber nicht, was es wolle.

Am selben Tag lehnten die Stimmberechtigten auch die Ernährungsinitiative ab, mit rund 72 Prozent Nein.

Quellen: SRF, Resultate vom 27.09.2026 · SRF: Neutralitätsinitiative · NZZ, 27.09.2026 · watson.ch · swissinfo.ch · Luzerner Zeitung